Was passiert, wenn ein Vater Fragen stellt?

Graz 8.11.2025
 

Beobachtungen eines Vaters – eine dokumentierte Erfahrung nach dem 10. Juni 2025

Nach dem Amoklauf an der Schule meiner Tochter wollte ich helfen, dass Aufarbeitung möglich wird.
Ich stellte Fragen an den Elternverein – sachlich, respektvoll, mit der Hoffnung auf Dialog.
Ich wollte verstehen, wie Verantwortung funktioniert, wenn eine Schulgemeinschaft traumatisiert ist.
Was ich erlebte, war aufschlussreich: ein System, das Fragen als Bedrohung behandelt.

Zwischen Juli und Oktober 2025 entstand eine vollständige Dokumentation dieses Vorgangs – mit E-Mails, Anträgen, amtlichen Schreiben und juristischen Antworten.
Ich veröffentliche sie hier, weil sie beispielhaft zeigt, wie Macht, Angst und Bürokratie zusammenwirken, wenn Bürger:innen Transparenz fordern.


Teil 1 – Wie alles begann: Fragen, die niemand hören wollte

Am 21. Juli 2025 schrieb ich nach wochenlangen Recherchen und Austausch im Signal Vorstandschat mit Vorstandsmitgliedern an den Elternverein.
Ich fragte, wie Eltern informiert werden, wer Zugang zu Daten hat, und wie man nach einem Amoklauf glaubwürdig kommuniziert.
85 % der Eltern wurden damals gar nicht erreicht.
Ich bat um Transparenz und bot Hilfe an.
Die Reaktion: höflich, aber ohne Antworten.
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📎 Offene Analyse an den Elternverein (21.07.2025)

Vereinregisterauszug EV BORG Dreierschützengasse vom 21.07.2025


Teil 2 – Die Rückforderung, der Austritt, der Antrag

Als ich aufklärte, dass Elternbeiträge über die Schule eingehoben wurden – ohne klare Einwilligung – forderte ich die Rückzahlung meiner 30 Euro.
Daraufhin erklärte mich der Verein zum „ausgetretenen Mitglied“ – aus einer Mitgliedschaft, die er selbst nie bestätigt hatte.
Ich stellte einen Antrag, rief die Schlichtung an, kontaktierte die Behörde.
Antwort: keine.
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📎 Rückforderung unrechtmäßig eingezogener Beiträge (14.08.2025)
📎 Formeller Antrag auf Mitgliedschaft (06.09.2025)


Teil 3 – Der Anwaltsbrief und die Antwort

Im Oktober beauftragte der Elternverein eine Wiener Kanzlei.
Ich fragte mich: Was kostet so etwas – und wer bezahlt das?
Der Verein argumentierte, er könne meine Aufnahme verweigern, „wenn ein Ausschlussgrund vorläge“.
Ich antwortete nicht mit Drohung, sondern mit Menschlichkeit – und hielt fest, was das Vereinsgesetz eindeutig besagt:
Mit Antrag und Einzahlung war meine Mitgliedschaft automatisch wirksam (§ 4 + 5 Statuten).
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Kanzleischreiben HIP

Meine Antwort auf das Kanzleischreiben (24.10.2025)

Anhang: Warum das geschieht (24.10.25)


Fazit – Was noch erreicht wurde

Ich habe gelernt, dass Wahrheit Geduld braucht – und dass Veränderung oft dort beginnt, wo jemand einfach nicht mehr schweigt.

Die Webseite des Elternvereins, die im Juli 2025 kaum Informationen enthielt und formal auf der Schulhomepage lief, wurde inzwischen vollständig überarbeitet.
Sie enthält nun detaillierte Angaben zu Vorstand, Aufgaben, Beiträgen und Unterstützungsmöglichkeiten – ein sichtbarer Fortschritt gegenüber dem früheren Zustand.

📸 Vorher–Nachher: Die Entwicklung der Elternvereinsseite

  • Vorher (Screenshot 21.07.2025): kaum Angaben, kein Impressum, keine klare Trennung zwischen Schule und Verein.

  • Nachher (Screenshot Herbst 2025): erweiterte Informationen, vollständiger Vorstand, Beschreibung des Vereinszwecks, erstmals Transparenz über Mitgliedschaft und Beiträge.

Diese Veränderung zeigt: Öffentlichkeit wirkt.
Wenn Menschen hinschauen, ändert sich etwas – langsam, aber spürbar.

Ich sehe das nicht als persönlichen Sieg, sondern als Beweis dafür, dass Wahrheit und Transparenz ansteckend sind.
Vielleicht ist das der Anfang einer neuen Gesprächskultur – in Elternvereinen, Schulen und in der Gesellschaft.

📎 Chronologische Korrespondenz Elternverein 21.7.- 06.9.2025

Presseerklärung zu Vandalismus am Gedenkort

Graz, 7. Oktober 2025

Wahrheit, Verantwortung und die Würde der Trauernden

Ich bin Vater einer Schülerin am BORG Dreierschützengasse in Graz. Nach dem Amoklauf vom 10. Juni 2025 entstand vor der Schule ein Trauerort – geschaffen von Angehörigen, Schüler:innen und Menschen aus der Nachbarschaft. Er war ein stilles Zeichen dafür, dass Mitgefühl stärker ist als Angst und dass Wahrheit stärker ist als Fassade.

Am 3. Oktober 2025 wurden alle Fotos der verstorbenen Kinder von diesem Ort entfernt – ohne Zustimmung der betroffenen Familien, ohne Anzeige wegen des angeblich vorliegenden Vandalismus, ohne Beweisfotos und ohne nachvollziehbare Dokumentation. Ich habe daraufhin an die Direktorin, die Bürgermeisterin, die Bildungsdirektion und die Polizei geschrieben, um Aufklärung, Rückgabe der Fotos und Wahrung der Würde der Trauernden zu verlangen.

Es geht mir nicht um Schuldzuweisung oder öffentliche Bloßstellung, sondern um Wahrheit und Verantwortung. Unsere Kinder brauchen Erwachsene, denen sie vertrauen können – gerade jetzt.

Diese Angelegenheit betrifft nicht nur die Familien der Opfer, sondern uns alle – als Eltern, Lehrkräfte und Bürger:innen. Sie zeigt, wie wichtig es ist, dass Institutionen mit Offenheit, Empathie und Integrität handeln – besonders in Zeiten kollektiver Verletzung.

Ich wünsche mir, dass aus dieser Auseinandersetzung kein weiterer Schaden entsteht, sondern ein Neubeginn: ein bewusster Umgang mit Wahrheit, eine Kultur der Verantwortung und eine Schule, in der Kinder wieder erleben dürfen, was echte Vorbilder sind.

Kurzfakten

  • Trauerort entstand nach dem 10. Juni 2025 auf öffentlichem Grund vor der Schule.
  • 3. Oktober 2025: Entfernung aller Fotos ohne vorherige Rücksprache mit den Eigentümer:innen.
  • Bislang keine Anzeige wegen des behaupteten Vandalismus; keine Beweisfotos/Rechnungen vorgelegt.
  • Schriftliche Eingaben an Direktion, Stadt Graz, Bildungsdirektion und Polizei wurden übermittelt.

Dominik Egger
Vater einer Schülerin am BORG Dreierschützengasse
Hauptstraße 31, 8301 Laßnitzhöhe
Tel. 0660 201 5000 · dominikegger@gmx.at

Dokumente & Beilagen

    Nachtrag 7.10. 2025 

    Nach zwei Telefongesprächen mit Bürgermeisterin Kahr um 09:30 und 09:45 erreicht mich um 09:57  ein Anruf vom Büro der Bürgermeisterin mit der Information, dass die Bilder heute um 13:00 Uhr wieder an den Ort kommen. 

    Ich war um ca 13 Uhr vor Ort. Bis 14: 15 wurden die Bilder nicht zurückgebracht.

    Info 16:15: Die Bilder bleiben vorerst in der Schule